Gefäßtraining und Frühmobilisierung

Gefäßtraining und Frühmobilisierung – Training für Beinamputierte

Die Mobilisierung nach einer Beinamputation beginnt mit Hilfe des Physio- oder Sporttherapeuten bereits direkt nach der Amputation durch gezieltes Training. Krankengymnastische Übungen dienen dazu, die Muskulatur wieder zu stärken sowie die Durchblutung zu fördern.

Gefäßtraining für Unterschenkelamputierte

Vor allem für Menschen, die unter arteriellen Durchblutungsstörungen in den Beinen leiden, sind die Übungen unbedingt empfehlenswert und sollten später auch täglich zu Hause angewendet werden.

Ziel der Übungen ist eine verbesserte Zirkulation des Blutes und damit eine verbesserte Versorgung der Gliedmaßen. Gleichzeitig soll die Muskulatur gestärkt und die Beweglichkeit im Gelenk erhalten werden.

Mit Hilfe der Fachklinik für Amputationsmedizin Osterhofen haben wir ein spezielles Training für Beinamputierte konzipiert.

Es ist wichtig, dass nach jeder einzelnen Übung die Entspannungshaltung eingenommen wird (Aufsitzen, Füße nach unten hängen lassen), damit das Blut mit Hilfe der Schwerkraft zurück in die Gefäße fließen kann.

Jede Übung sollten Sie mit drei Sätzen und einer gewissen Anzahl von Wiederholungen durchführen. Stellen Sie selber fest, wie viele Wiederholungen der Bewegung innerhalb eines Satzes möglich sind – wenn Sie ermüden, einfach aufhören. Zählen sie am Besten beim ersten Satz mit und reduzieren Sie die Anzahl der Bewegungen bei jeder Wiederholung der Übung z. B.

  • Beim ersten Mal schaffen Sie 25 Bewegungen;
  • Bei der 1. Wiederholung nach der Entspannungsphase (= zweiter Satz) machen Sie die Bewegung nur noch 20 Mal
  • Bei der 2. Wiederholung (=dritter Satz) nur noch 15 Mal
  • Führen Sie das Gefäßtraining ruhig und fließend ohne ruckartige Bewegungen aus.

Verspüren Sie bei einer Übung Schmerzen, beenden Sie die Übung sofort und sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Bei Problemen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt und/oder Physiotherapeuten.

Die Übungen können Sie zu Hause auf dem Bett oder auf der Couch liegend durchführen. Weitere Hilfsmittel werden nicht benötigt.

Atmen sie während der Übungen normal weiter, vermeiden sie ein Anhalten der Luft oder eine Press-Atmung.

Übung 1: Für die amputierte Seite

  1. Ausgangsposition im Liegen:
    Stumpf hochnehmen, die Hände hinter dem Knie verschränken. Nun das Knie abwechselnd strecken und beugen. Dies solange wiederholen, bis sich ein Ziehen in der Muskulatur bemerkbar macht.
  2. Entspannungsphase:
    Zur Entspannung aufsetzen, das Bein und den Stumpf nach unten hängen lassen und mindestens zwei bis drei Minuten warten. Erst dann mit der nächsten Wiederholung beginnen

Übung 2: Für die erhaltene Seite

  1. Ausgangsposition im Liegen:
    Bein hochnehmen, die Hände hinter dem Knie verschränken. Nun den Fuß in der Hochlage abwechselnd nach vorne strecken und wieder anbeugen. Dies solange wiederholen, bis sich ein Ziehen in der (Waden-) Muskulatur bemerkbar macht.
  2. Entspannungsphase:
    Zur Entspannung aufsetzen, das Bein und den Stumpf nach unten hängen lassen und mindestens zwei bis drei Minuten warten. Erst dann mit der nächsten Wiederholung beginnen

Übung 3: Für beide Seiten

  1. Ausgangsposition im Sitzen:
    Standbein und Stumpf zunächst nach unten hängen lassen. Nun im Gegenspiel den Stumpf strecken und zeitgleich das Bein anbeugen.
    Dies im Wechsel bis zur Ermüdung der Muskulatur durchführen.
  2. Entspannungsphase:
    Zur Entspannung aufsetzen, das Bein und den Stumpf nach unten hängen lassen und mindestens zwei bis drei Minuten warten. Erst dann mit der nächsten Wiederholung beginnen.

Frühmobilisierung nach der Amputation

Ihr Physiotherapeut wird Sie bereits kurz nach der Amputation am Bett besuchen und erste Übungen mit Ihnen durchführen. Dazu zählen:

  • Atemtraining
  • Leichte Ausdauerbewegungen zur Steigerung des Blutdurchflusses und somit zur Vorbeugung einer Thrombose
  • Lagerungsübungen und Anspannungsübungen mit eigenem Hochstemmen
  • Transferübungen zum Umsetzen vom Bett in den Rollstuhl
  • Kräftigung der Hüft-, Rumpf-, Bauch- und Rückenmuskulatur
  • Mobilisierung des amputierten Beines zur Erhaltung der Gelenkbeweglichkeit
  • Stand- und Gleichgewichtstraining
  • Gangschule ohne Prothese

Leave A Reply