Phantomschmerzen, Phantomsensationen und Stumpfschmerzen

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Wie entstehen Phantomschmerzen?

Als mögliche Ursache von Stumpfschmerzen kommen zum einen intern bedingte Schmerzen wie Knochen-, Gefäß-, Nerven-, Wundschmerzen und Neurome, zum anderen extern bedingte Schmerzen wie Druck- und Reibungsschmerzen im Prothesenschaft sowie Phantomschmerzen in Frage.

Um Betroffenen eine erfolgreiche Therapie zukommen zu lassen, ist es zunächst erforderlich, die verschiedenen Schmerzarten zu unterscheiden, da diese auch unterschiedlich behandelt werden.

Was sind Phantomschmerzen?

Der Phantomschmerz ist bereits in der Literatur ab Mitte des 16. Jahrhunderts beschrieben und ein bekanntes Phänomen nach einer Amputation. Je nach befragter Literatur haben zwischen 10 und 90 Prozent, zumindest vorübergehend etwa 70 Prozent der Amputierten Phantomschmerzen.

Unter Phantomschmerz versteht man die Übertragung schmerzhafter Empfindungen in nicht mehr vorhandene Körperteile. Der Schmerz wird von Betroffenen häufig als einschießend, brennend, stichartig und krampfartig beschrieben und kann sich entweder nach und nach reduzieren oder dauerhaft vorhanden sein.

Bei vielen Betroffenen tritt der Schmerz in unterschiedlicher Zeitspanne auf. Der Phantomschmerz kann nach Ausriss von Nerven, wie nach einem schweren Motorradunfall auftreten. Beeinflussende Faktoren des Phantomschmerzes sind emotionaler Stress, Wetterveränderungen, Kältereiz, mechanische Irritation, Wasserlassen und die Stuhlentleerung. Phantomschmerz tritt umso häufiger auf, je länger der Patient bereits vor der durchgeführten Operation Schmerzen hatte. Man bezeichnet dies auch als das Schmerzgedächtnis.

Therapiemöglichkeiten Phantomschmerzen

Der Phantomschmerz wird seltener festgestellt, wenn bei dem Betroffenen bereits vor der Operation ein gutes Schmerzmanagement durchgeführt wurde oder wenn bestimmte Operationstechniken unter Berücksichtigung der Vollnarkose erfolgten.

Ein bekanntes Phänomen ist, dass Phantomschmerzen durch das Benutzen einer gut passenden Prothese reduziert werden können. Dies hängt mit einer als günstig zu bewertenden Rückmeldung der Hautnerven zum Gehirn zusammen. Kinder leiden weniger unter Phantomschmerzen, da dies nach wissenschaftlichen Erkenntnissen mit der noch nicht komplett ausgereiften Entwicklung zusammenhängt.

Beim Auftreten von Phantomschmerzen nach einer schmerzfreien Zeitspanne sollten immer mögliche andere Erkrankungen mit berücksichtigt werden. Ein Beispiel wäre hier ein Patient mit Bandscheibenvorfall mit einer Ausstrahlung in das betroffene Bein. Wichtig ist auch die frühzeitig beginnende konsequent geplante Schmerzbehandlung unmittelbar nach der Operation. Lange bestehende Phantomschmerzen bedürfen z. B. einer medikamentösen Therapie. Diese richtet sich nach einem Stufenschema. Darüber hinaus gibt es weitere Maßnahmen, für die jedoch nicht immer ein wissenschaftlicher Nachweis der Wirkung besteht.

Dies sind z. B. Behandlungen mit der elektrischen Nervenstimulation über die Haut mit TENS-Geräten, Akupunktur, die Triggerpunktbehandlung, psychotherapeutische Behandlung und Biofeedback, Hypnose, die Verminderung mittels Ultraschall, Massage, Thermo- und Elektrotherapie, sowie die Therapie mit den RELAX Hilfsmitteln aus Umbrellan (Wirksamkeit wissenschaftlich erwiesen).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die beste Prophylaxe des Schmerzes eine fachgerecht durchgeführte Operation sowie ein frühzeitig beginnendes konsequentes Schmerzmanagement ist.

Die rasche Versorgung mit einer passgerechten Prothese kann den Phantomschmerz reduzieren. Darüber hinaus bestehen viele Behandlungsmöglichkeiten verschiedener Schmerzarten mit Medikamenten. Für den betroffenen Patienten sind daher im Rahmen der Nachbehandlung Einrichtungen zu bevorzugen, die über hinreichendes Know-how bezüglich Rehabilitation, Orthopädietechnik und Schmerztherapie verfügen.

Quelle: Dr. med. S. Middeldorf, Magazin Stolperstein, Ausgabe 16, 12/08, S. 10 f.

Was sind Phantomsensationen (-gefühle)?

Hierbei handelt es sich um real erlebte, nicht schmerzhafte Empfindungen im amputierten Körperteil. Sie treten nach Amputation fast regelmäßig bei 50 – 90 Prozent der Betroffenen auf, die sich je nach Alter wechselnd unterschiedlich auswirken können, d. h. im höheren Lebensalter treten sie häufiger auf. Als Formen kennen wir das Druck- und Kältegefühl, so genannte kinetische (=bewegende) Phantomempfindungen und direkte Stellungs- und Lageempfindungen. Diese sind auf das zentrale Körperschema im Gehirn zurückzuführen.

Therapiemöglichkeit Phantomsensationen

Eine Therapie ist in der Regel nicht erforderlich. Der Patient ist jedoch gut über das Phänomen aufzuklären.

Was sind Stumpfschmerzen?

Der Stumpfschmerz tritt sehr häufig und unmittelbar nach der Amputation auf. Schmerztherapeuten bezeichnen ihn auch in der Fachsprache als „Nozizeptorschmerz“.

Die Ursache des Schmerzes findet sich unmittelbar im betroffenen Gebiet. Der Schmerz wird über die Haut, die Weichteile und über das Rückenmark zum Gehirn geschickt. Zugrunde liegen können z. B. gutartige Nervenknoten (Neurome), Schmerzen bedingt aus dem Verschleiß angrenzender Gelenke oder venöse Stauungen. Häufig sind es auch Durchblutungsstörungen, Gefäßerweiterungen oder Infektionen von Knochen und Weichteilen, die Schmerzen im Bereich des Stumpfes auslösen können. Seltener werden Stumpfschmerzen durch warzenförmige Gewebevergrößerungen oder andere Hautveränderungen hervorgerufen.

Medizinische Untersuchungen weisen unter Umständen eine mangelnde Weichteildeckung, einen Weichteilüberhang, Verwachsungen von Haut und Knochen bzw. Narbengewebe und Nerven nach. Stumpfschmerzen sollten zunächst durch Röntgen und intensive Untersuchungen diagnostisch gut abgeklärt werden.

Therapiemöglichkeit Stumpfschmerzen

Sollten lokale Maßnahmen nicht ausreichend sein, ist beim Stumpfschmerz auch an eine mögliche operative Stumpfkorrektur zu denken.

Categories: Phantomschmerzen

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