Manfred Auer

Skiprofi bei den Paralympics

PDF | Seite drucken | Seite weiterempfehlen

Manfred Auer

Skiprofi - mit Unterschenkelamputation.

Manfred Auer wurde nach einem Motorradunfall am linken Unterschenkel amputiert - heute ist er ein erfolgreicher Profisportler im austria Skiteam Behindertensport.

Wann kam es zu Ihrer Amputation und wo genau sind Sie amputiert?
Mir wurde im September 1992 der linke Unterschenkel 7 cm unterm Knie amputiert.

Wie kam es dazu?
Die Ursache meiner Amputation war ein Motorradunfall in Slowenien auf regennasser Fahrbahn. In einer langen Linkskurve rutschte mir das Vorderrad meiner Maschine weg. Ich schlitterte einige Meter über den Asphalt und prallte dann gegen die Leitschiene. Mein Motorrad federte von der Leitplanke ab und riss mir meinen Unterschenkel ab.

Wie erging es Ihnen nach der Amputation?
Nach dem Unfall wurde mir mein Unterschenkel wieder angenäht und als ich nach fünf Tagen aus dem künstlichen Tiefschlaf erwachte, dachte ich nicht an eine Amputation. Der Fuß wurde mir erst 17 Tage nach dem Unfall amputiert. Anschließend gab es ein „Auf und Ab“ in meiner Gefühlswelt. Aber nur für kurze Zeit.

Wer stand Ihnen in dieser schweren Phase zur Seite?
In erster Linie half mir meine Familie. Sie haben versucht für mich die besten Möglichkeiten und Voraussetzungen zu schaffen, um so schnell wie möglich wieder auf die Beine zu kommen.

Waren sie mit Ihrer Rehabilitation zufrieden?

Diese Frage muss ich mit einem ganz klaren Nein beantworten! Mit dem Rehazentrum Bad Häring war ich nicht zufrieden, da dort keiner in der Lage war, für meinen Stumpf eine Prothese zu bauen. Man wollte meinen Stumpf zu einem Knie-Ex amputieren.

Ich hatte jedoch das Glück, dass ich damals meinen heutigen Orthopädie-Techniker, Robert Maier aus Klagenfurt, schon kannte und er mir sofort in Eigeninitiative eine Prothese baute, mit der ich das Gehen erlernte. Daraufhin brach ich die Reha ab.

Wie hat Ihr Umfeld auf die Amputation reagiert?

Die Leute waren alle erschrocken, wenn ich ohne Prothese mit Krücken unterwegs war, aber das sind sie heute auch noch, obwohl alle wissen, dass ich amputiert wurde. Es kommt heute aber äußerst selten vor, dass ich mit Krücken unterwegs bin.

Wie können Sie heute mit der Amputation umgehen?

Ich habe es akzeptiert und glaube mit der Situation sehr gut umgehen zu können.

Haben Sie heute noch Stumpf- bzw. Phantomschmerzen? Wie äußern sich diese und was tun Sie dagegen?
Schmerzen habe ich eher selten. Ich verspüre ein Ziehen und Zucken im Stumpf. Eine sehr gute Behandlung für mich ist die Magnetfeldtherapie, die mittels eines Magnetresonanzsystems zur Behandlung und Vorbeugung dient. Im Vordergrund steht dabei die Resonanzwirkung pulsierender elektromagnetischer Felder im menschlichen Körper. Es werden Schwingungen als gezielte Information an kranke, in ihrer Funktion gestörte Zellen, übertragen.

Inwiefern hat sich Ihr Leben verändert?

In meinem Leben hat sich eigentlich alles verändert. Es gibt neue Herausforderungen und ganz neue Möglichkeiten, diese umzusetzen. Im Moment dreht sich alles ums Skifahren und zwar 12 Monate im Jahr, da ich Profisportler geworden bin. Diese Möglichkeit hätte es wahrscheinlich vor der Amputation nicht gegeben.

Sie sind ein begeisterter und erfolgreicher Skifahrer. Wann haben Sie mit dem Skifahren begonnen und was hat sie dazu bewogen, so hart und intensiv zu trainieren? Wie sehr hat Ihnen der Sport im Umgang mit der Amputation geholfen?
Mit dem Skifahren habe ich bereits 14 Monate nach der Amputation begonnen. Mein Orthopädietechniker Robert Maier half mir dabei. Es war mein eigener Wunsch, wieder Ski zu fahren. Mit der Zeit stellte sich der Erfolg bei Landesmeisterschaften ein und ich begann zu trainieren. 1996 wurde ich in den österreichischen Skiverband-Kader berufen und da sah ich auf einmal die Chance, in diesem Sport international weit nach oben kommen zu können. Der Sport hat mir geholfen die Amputation aus einem ganz anderen Blickwinkel zu sehen. Ich sah plötzlich die Amputation nicht mehr als Behinderung, sondern als eine neue Herausforderung.

Was machen Sie beruflich?
Heute bin ich Profisportler- es hat sich also sehr viel verändert.
Vor der Amputation war ich im Zustelldienst bei der Post beschäftigt und nach meinem Unfall arbeitete ich am Schalter, sowie am Verzollungspostamt. Heute lebe ich vom Skisport. Ich bin ausgebildeter Lehrwart für Kinder- bzw. Jugendrennlauf und Trainer.

Was waren Ihre größten Erfolge im Profisport und welcher davon war Ihr wichtigster?
Ich belegte den 2. Platz bei der WM in Anzere (Schweiz) im Slalom und den 4. Platz in der Abfahrt. Bei den Paralympics in Salt Lake City (USA) 2002 wurde ich sechster im Abfahrtslauf. Außerdem errang ich mehrere Podestplätze. Der Vize-Weltmeistertitel 2000 im Slalom stellt dabei meinen wichtigsten Erfolg dar, weil es die einzige Medaille bei einer Großveranstaltung ist.

Welche Möglichkeiten gibt es für Sie, Kontakt zu anderen Beinamputierten herzustellen?
Durch den Skisport kann ich weltweit Kontakt zu Beinamputierten herstellen und dabei sehr vom Erfahrungsaustausch profitieren. Diese Erfahrungen kann ich dann im Verband und im Verein bei mir zu Hause weitergeben. Ferner gebe ich Skiunterricht für Amputierte und Rollstuhlfahrer und spiele in der Klagenfurter Sitzfussballmannschaft.

Haben Sie Tipps und Ratschläge oder ein Motto, das Sie anderen
Beinamputierten mit auf den Weg geben können?

Ich glaube, dass ich sehr viel Erfahrung mit Beinprothesen habe, da ich sehr aktiv bin und schon viel ausprobiert sowie getestet habe. Tipps und Ratschläge sind für jeden individuell, denn jeder hat andere Voraussetzungen und Probleme. Ein Motto, das ich Beinamputierten mitgeben möchte: „Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren!“

Welche Ziele, Wünsche, Pläne haben Sie für die Zukunft, vor allem auch in Hinblick auf Ihr Leben mit der Amputation und auf Ihre Prothesenversorgung?
Das nächste Ziel aus sportlicher Sicht ist der Gewinn einer Medaille bei einer Weltmeisterschaft. Außerdem möchte ich als Trainer oder Manager im Bereich des Behindertenskilaufes weiterarbeiten.

Meine Wünsche im Bereich der Prothesenversorgung wären, aufgrund meines kurzen Stumpfes, noch leichtere Materialien für Prothesen zu entwickeln. Ich stelle mir Liner vor, die ähnlich wie bei der Sportbekleidung, atmungsaktiv sind. Zudem sollten die Liner viel belastbarer sein, denn ich glaube, dass sie die Schwachstelle einer guten Prothesenversorgung darstellen.
 
Würden Sie Ihre Erfahrungen im Umgang mit der Amputation mit Anderen teilen und ihnen auch das Ski-Laufen näher bringen?
Das habe ich mir eigentlich zur Aufgabe gestellt.
Ich gebe gerne meine Erfahrungen weiter und möchte natürlich jedem, der Interesse hat, das Skifahren näher bringen: Zum Beispiel jedes Frühjahr beim Stolperstein Skifahren bin ich immer als Trainer dabei.

Weitere Informationen über Manfred Auer sind auf seiner Homepage zu finden: www.m-auer.at