90 Kilometer SOCIALMAN

Die nächste Etappe auf dem Weg zu den Paralympics: Andreas Kurz absolviert Triathlon mit insgesamt 5.000 Höhenmetern.

Andreas Kurz lebt in Bad Hofgastein, fährt leidenschaftlich gerne Ski und ist seit seinem 16. Lebensjahr unterschenkelamputiert. Der 30-jährige Landesbedienstete hat einen großen Traum: Er möchte 2018 bei den Paralympics in den „stehenden“ Disziplinen Super G und Riesenslalom auf Medaillenjagd gehen. Wir begleiten ihn auf diesem Weg. Im Interview blickt der Athlet auf sein zweites intensives Vorbereitungsjahr zurück und berichtet von den nächsten Etappen, die es zu bewältigen gilt.

Radfahren Andi Kurz

Herr Kurz, wie ist Ihr Fazit für die Ski-Saison 2015 / 2016?
„In der vergangenen Saison hatte ich eigentlich eine schnellere Leistungsentwicklung von mir erwartet, hier gibt es noch Potenzial. Glücklicherweise war ich die gesamte Saison über gesund und fit und konnte dementsprechend gut trainieren, ganz ohne verletzungsbedingte Zwangspause. Deswegen habe ich vielleicht auch eine größere Leistungssteigerung erwartet. Alles in allem bin ich aber zufrieden mit der Saison, in der ich viele schöne Momente erlebte.“

Wie werden Sie von Ihrer Familie und Ihren Freunden bei den Vorbereitungen auf die Paralympics unterstützt?
„Meine Freunde und die Familie stehen komplett hinter meinem Vorhaben. Für mich ist es super, wenn die Familie einfach da ist und die Freunde gut finden, was ich mache. Das gibt mir die nötige Sicherheit, wenn ich einmal daran zweifle, ob ich das Richtige tue. Sie unterstützen und motivieren mich. Der Rest liegt dann bei mir.”

Im Juli haben Sie am SOCIALMAN teilgenommen. Was zeichnet diesen Wettkampf aus und warum haben Sie sich gerade für dieses Event entschieden?
„Der SOCIALMAN ist ein Langdistanz-Triathlon in Österreich mit knapp 5.000 Höhenmetern. Dieser Wettbewerb wurde vor drei Jahren ins Leben gerufen. Die Teilnehmer absolvieren fünf Kilometer schwimmend, 185 Kilometer auf dem Rad sowie einen Lauf über 25 Kilometer. Der SOCIALMAN ist offen für Athleten mit und ohne Handicap. Die Sportler können sich der kompletten Distanz stellen oder als Staffel antreten. Ich habe in diesem Sommer knapp die Hälfte der Radstrecke, also 90 Kilometer, als Teil eines Staffel-Teams absolviert. Ich wollte schon immer mal an einem Radrennen teilnehmen. Den SOCIALMAN habe ich gewählt, weil die Einnahmen an Projekte gehen, die junge behinderte Sportler unterstützen: Zum Beispiel wird gemeinsam mit einer Schwimmschule in Wien ein Kurs für Jugendliche ab zehn Jahren angeboten, die sonst niemals Schwimmen lernen würden.”

Wie fällt Ihr Fazit aus? Würden Sie noch einmal teilnehmen?
„Auf jeden Fall werde ich 2017 wieder beim SOCIALMAN an den Start gehen. Es ist eine super Veranstaltung, die sich konsequent der sozialen Idee verschrieben hat – und sie findet zudem in einer einzigartigen Landschaft statt. Ich empfehle diesen Wettkampf auch anderen Beinamputierten, weil das Miteinander der Athleten anspornt, über sich hinauszuwachsen. Wer möchte, kann als Teil einer Staffel starten und im Team erfolgreich sein.”

Wann begann für Sie die neue Saison und wie sehen Ihre Trainingspläne aus?
„Für mich begann die neue Skisaison Mitte August mit speziellem Kraft- und Koordinationstraining. Im Herbst werde ich dann die ersten Trainingseinheiten auf dem Gletscher absolvieren.”

Wie schätzen Sie die aktuellen Chancen ein, bei den Paralympics starten zu können?
„Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Natürlich hoffe ich sehr, eine Chance zu bekommen, doch das ist von vielen Faktoren abhängig. Ich muss vor allem verletzungsfrei bleiben und konsequent an meiner Leistung arbeiten.”

Welchen Anteil hat dabei die Prothese? Was muss sie für einen Sportler leisten?
„Meine Alltagsprothese ist richtig gut und hält vielen Belastungen stand. Besonders wichtig ist allerdings das Zusammenspiel aller Kräfte bei der Skiprothese. Sie muss ganz genau auf meine Anforderungen abgestimmt sein, um den Druck direkt auf den Ski zu bringen. Dann fahre ich auch wirklich effizient.”

Was machen Sie, um sich nach einem harten Training zu entspannen und mental zu erholen?
„Nach einem harten Training mache ich auch einmal einen ganzen Tag lang gar nichts Sportliches. Für mich ist es sehr erholsam, meinen Eltern in der Landwirtschaft zu helfen. Mental bin ich ausgeglichen: Denn das, was ich mache, mache ich sehr gerne.”

Herr Kurz, vielen Dank für das Gespräch

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