Autofahren leicht gemacht

Autofahren mit Beinprothese leicht gemacht

Mit zwei Unterschenkelprothesen- und wenig Aufwand… Ulrich Lemcke erzählt seine eigene persönliche Geschichte:

“Im Jahr 1950 wurde ich als 10-jähriger zum Diabetiker. Die Kontrollmöglichkeiten waren damals sehr bescheiden, d. h. eine gute Einstellung nicht möglich. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass mein rechter Unterschenkel 2002 amputiert werden musste. Ich konnte mit der Prothese bald ganz gut umgehen, wollte aber unbedingt wieder mit dem Auto fahren.

Von der Fachwelt wurde mir gesagt, dass ich dazu ein Auto mit Automatikgetriebe brauche und das ein Umbau notwendig ist, um Gas und Bremse mit dem linken Fuß bedienen zu können. Ich kaufte ein solches Auto, wobei der Umbau in einer Fachwerkstatt zusätzlich 860 € gekostet hat. Die Umstellung war für mich nicht einfach, denn nach dem Umbau war mit dem linken Fuß das Gas links und die Bremse rechts zu bedienen, gerade umgekehrt als ich es seit vielen Jahren für den rechten Fuß gewohnt war.

Das ist extrem gefährlich, weil in kritischen Situationen, wo man schnell und aus dem Bauch reagiert, Gas und Bremse leicht verwechselt wird und anstatt zu bremsen man auf das Gas tritt. Mit Glück und anstrengender Konzentration ging das 5 Jahre lang gut. Dann war das linke Bein auch so weit, dass der Unterschenkel amputiert werden musste. Ich konnte bald wieder gehen, auch mit zwei Prothesen, aber das größte Problem war für mich:

Wie kann ich wieder Autofahren?

Ich kontaktierte einen sehr hilfsbereiten Fahrlehrer, der Personen mit Handicap ausbilden durfte. Dieser meinte, ein aufwändiger Umbau für Handbetrieb sei notwendig. Auf meine Frage, ob er denn auch Kunden hat, die mit der Prothese rechts fahren war die Antwort, “ein paar wenige”.

Das war für mich der Anlass nachzudenken, mit folgendem Ergebnis: Ich baue die vorhandene Linksbedienung wieder aus und befestige auf dem Boden vor den Pedalen ein Niroblech damit der Absatz darauf mit wenig Reibung vor und zurück rutschen kann. Das ist sehr vorteilhaft, weil das Bein darauf ruhen kann und das fehlende Sprunggelenk durch dieses Rutschen ersetzt wird.

Ich habe das allein ausprobiert, bin mit dem Fahrlehrer einmal gefahren und der TÜV hat das so auch akzeptiert. Mein Auto hatte ein hängendes Gaspedal, d. h. der Drehpunkt ist oben. Der TÜV machte mir dazu die Vorschrift, wenn ich ein anderes Auto habe, mit stehendem Gaspedal, d. h. der Drehpunkt ist unten, muss auf dem Pedal eine Rolle oder ein Keil angebracht werden, damit der ganze Hub betätigt werden kann.

Mein neues Auto hat ein stehendes Gaspedal. Aus vier einfachen Teilen habe ich eine Rolle installiert und das Niroblech auf der Fußmatte, die fest fixert ist, mit zwei Nieten befestigt. Die Bedienung hat gut funktioniert. Dann fuhr ich zu der Firma, die den ursprünglichen Umbau von Bedienung rechts nach links gemacht hatte und gab den verwendeten Umbausatz zurück.

Ich dachte, man wird mir dort behilflich sein, um beim TÜV die Akzeptanz zu bekommen. Die Reaktion in dem Haus war für mich sehr unerwartet: “Ich habe so etwas noch nie gesehen und ich weiß auch nicht, ob der TÜV so etwas zulässt. Am besten ist, sie gehen damit alleine zum TÜV”. Ich war um eine große Erfahrung reicher und vor allem diese möchte ich mit meinem Bericht weitergeben. Inzwischen war ich beim TÜV und diese Lösung ist genehmigt. Ich fahre mit Vergnügen Auto und mein Leben verläuft heute fast genauso wie früher.

Ob diese Sache auch für Oberschenkelamputierte taugt, kann ich nicht beurteilen, aber einen Versuch wäre es wert. Wer einen persönlichen Rat möchte kann mich gerne kontaktieren über die Redaktion Stolperstein.

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