Wissenswertes rund um das Autofahren mit Prothese

Hilfreiche Tipps zum Thema Autofahren nach einer Beinamputation

Wen kann ich nach einer Amputation zum Thema Autofahren zu Rate ziehen?

Nachfolgende Institutionen und Verbände sind hilfreiche Stellen, die Ihnen umfangreiche Informationen liefern können:

Wer entscheidet darüber, ob ich überhaupt dazu in der Lage bin, Auto zu fahren?

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie sich selbst dazu in der Lage fühlen, ein Kraftfahrzeug zu führen, sowohl psychisch als auch physisch, dann konsultieren Sie Ihren Hausarzt und sprechen Sie mit ihm darüber. Sofern dieser keine Bedenken äußert, wird er Ihnen ein Attest ausstellen, welches später bei der Beantragung des Führerscheins bei der Fahrerlaubnisbehörde vorgelegt wird. In manchen Fällen benötigt die Behörde zusätzlich ein ärztliches Gutachten. Weiterhin kann es dazu kommen, dass ein technisches Gutachten oder sogar das Ablegen eines medizinisch-psychologischen Tests erforderlich wird.

Was ist ein medizinisches bzw. ein technisches Gutachten?

Sobald die Behörde berechtigte Zweifel an Ihrer Fahrtüchtigkeit hegt, wird sie ein medizinisches Gutachten verlangen. Es muss bescheinigt werden, dass Sie die gesundheitlichen Voraussetzungen erfüllen, um ein Kraftfahrzeug führen zu dürfen. Die Behörde gibt dabei vor, welcher Arzt bzw. welcher Orthopäde aufzusuchen ist. Die Kosten sind von Ihnen zu tragen. Die Behörde kann auch ein technisches Gutachten fordern. In diesem Fall muss durch einen amtlichen Sachverständigen (z.B. TÜV-Prüfer) festgestellt werden, ob Sie das Fahrzeug mit den erforderlichen technischen Hilfsmitteln sicher führen können, bzw. welche technischen Hilfsmittel für Sie von Belangen sind. In der Regel unternimmt der Prüfer mit Ihnen eine Prüfungsfahrt in einem speziell umgerüsteten Fahrzeug. Hierfür tragen Sie die Kosten. Mit Hilfe dieser beiden Gutachten kann die Behörde im Anschluss die Fahrererlaubnis erteilen oder gegebenenfalls beschränken.

Was ist ein medizinisch-, psychologisches Gutachten?

Bei diesem Gutachten wird Ihre Konzentrationsfähigkeit und Ihr späteres Verhalten im Straßenverkehr getestet. Durch gezielte Fragen erhalten Psychologen Informationen hinsichtlich Ihres Verhaltens und zu Ihren Einstellungen. Es gibt beispielsweise Krankheitsbilder, die das Konzentrationsvermögen deutlich einschränken können (z.B. Schlaganfall oder Schädelhirnverletzungen etc.). In diesen Fällen werden solche Gutachten primär erstellt.

Welches Auto ist für mich geeignet?

Falls Sie sich ein neues Auto anschaffen möchten, besteht bei vielen Herstellern die Möglichkeit, ein geeignetes Fahrzeug ganz nach Ihrem Belieben zu konfigurieren. Wenn Sie jedoch schon ein eigenes Fahrzeug besitzen und dieses lediglich Ihren Anforderungen entsprechend umbauen lassen möchten, können Sie sich an spezialisierte Werkstätten oder direkt an einen Sachverständigen des TÜV wenden. Gaspedale können beispielsweise von rechts nach links verlegt werden. Außerdem können auch Handhebel für Gas und Bremse integriert werden. Umbauten müssen jedoch der zuständigen Behörde gemeldet werden, so dass die jeweilige Änderung entsprechend in Ihrem Führerschein vermerkt wird. Als Verkehrsteilnehmer sind Sie selbst dafür verantwortlich, sich um den Umbau Ihres Fahrzeuges zu kümmern und dafür zu sorgen, keine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer darzustellen. Mit einem individuell für Sie ausgestatteten Fahrzeug steht dem Autofahren jedoch nichts mehr im Wege.

Bekomme ich für den Umbau meines Fahrzeuges Zuschüsse?

Informieren Sie sich über eventuelle Zuschüsse, bevor Sie sich einen neuen Wagen anschaffen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden – je nach Fall – die anfallenden Kosten in voller Höhe übernommen. Berufsgenossenschaften, Arbeits-, Landeswohlfahrts- oder Sozialämter, Unfallversicherungen, die gesetzliche Rentenversicherung oder die Bundesagentur für Arbeit sind hier als Ansprechpartner zu nennen.

Was tun, wenn ich bereits vor der Amputation im Besitz eines Führerscheins war?

Die Fahrerlaubnisverordnung (FeV) gibt vor, dass sie in Eigenregie Vorsorge treffen müssen, wieder Autofahren zu können. Sollte es allerdings zu einem Unfall kommen und deshalb Zweifel daran bestehen, dass Sie überhaupt in der Lage waren, ein Fahrzeug zu führen, kommen Sie in Schwierigkeiten. Unter Umständen verlieren Sie dann sogar Ihren Versicherungsschutz. Gehen Sie deshalb auf Nummer sicher und informieren Sie sich darüber, welche Umbauten bzw. Hilfsmittel in Ihrem speziellen Fall von Nöten sind, um wieder am Straßenverkehr teilnehmen zu können. Ansprechpartner sind hier beispielsweise technische Gutachter des TÜV. Melden Sie im Anschluss die Veränderungen an Ihrem Fahrzeug der zuständigen Behörde. Wird Ihnen dann amtlich belegt, dass Sie fahrtüchtig sind – eventuell nach Forderung eines medizinischen und technischen Gutachtens – kann Ihnen im Grunde nichts mehr passieren.

Tipp:

Ist einmal ein Gutachten mit Handgas erstellt, wird es schwierig, wieder auf normalen Pedalbetrieb umzusatteln. Es ist auch denkbar, ein schwenkbares Gaspedal auf links einzubauen. Das ist z. B. fur rechtsseitig Amputierte ideal, wenn Sie nicht so viel Vertrauen in Ihr kunstliches Bein haben.

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