Christian Härtl – Thema Amputation in seinen Bildern

„Das Leben bietet viele Möglichkeiten und wenn man diese nützt wird auch die Sehnsucht nach den anderen geringer.“

Christian Härtl hat durch einen Motorradunfall im August 2001 einen Arm und ein Bein verloren. Wir bedanken uns herzlich für die offene, unkomplizierte Erzählung seiner Geschichte.

Wann kam es zu Ihrer Amputation und wo genau sind Sie amputiert?

Meinen Unfall hatte ich am 17.08.2001. Ich wurde am linken Oberschenkel, sowie am linken Oberarm amputiert.

Was ist passiert?

Ich war damals auf dem Weg nach Regensburg um „noch schnell“ ein Buch in der Universitätsbibliothek abzugeben. Dies wäre nämlich der vermeintlich letzte Termin gewesen, da ich am kommenden Montag eine sechswöchige Reise nach Australien antreten wollte. Während des Heimweges auf der Landstraße setzte ich zu einem Überholversuch an und kollidierte mit der Fahrerseite eines entgegenkommenden VW Golfs, wodurch sich der linke Unterschenkel vom Bein abtrennte und ich 30 Meter durch die Luft geschleudert wurde. Nach kurzer Zeit wurde ich mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg gebracht.

Wie erging es Ihnen nach der Amputation?

Im Krankenhaus wurde ich intensivmedizinisch versorgt, im Wechsel zwischen hochlebenskritischen Phasen und operativen Eingriffen, so dass posttraumatisch auch der Oberschenkel und der Oberarm amputiert werden mussten. Ein Stabilisierungsprozess stellte sich erst nach fünf Wochen ein, wobei ich schmerzbedingt immer noch auf starke Medikamente angewiesen war.

Die Tatsache, dass durch den Unfall mein linker Arm und mein linkes Bein amputiert wurden, nahm ich verhältnismäßig gelassen auf. Ich bin kein Mensch der sich selbst bemitleidet oder ständig über Dinge jammert, die nicht zu ändern sind. Ich habe mir gedacht, jetzt sehe ich mir mal an, was durch die prothetische Versorgung wieder möglich wird. Man bekommt dann im Krankenhaus gesagt, dass die Entwicklung der Prothesen mittlerweile so weit ist, dass man wieder laufen und Klavier spielen kann. Welche Probleme und Schwierigkeiten jedoch auf einen in seiner persönlichen Situation zu kommen, erfährt man dann spätestens wenn man mit den Prothesen selbst umgehen muss.

Wer hat Sie in dieser schweren Zeit unterstützt und motiviert?

Die größte Hilfe in dieser Situation ist natürlich die eigene Familie. Die Frage ist nicht, dass sie dich motivieren, sondern dass sie für dich da sind, wenn du sie brauchst. Nach einer Amputation brauche ich keinen der mir sagt, dass das alles gar nicht so schlimm ist. Wie groß der persönliche Verlust ist, kann man ja selbst am besten beurteilen. Meine Familie unterstützt mich in alltäglichen Situationen und ist mir in vielen Bereichen eine große Hilfe.

Eine wichtige Stütze ist natürlich auch die Fachklinik für Amputationsmedizin in Osterhofen mit dem Leistungszentrum, die mir mit ihrem fachlichen Wissen und ihrer Erfahrung eine prothetische Versorgung überhaupt erst möglich gemacht hat. Der Chefarzt Dr. Haas ist selber oberschenkelamputiert und kann aus eigener Erfahrung Tipps und Ratschläge geben.

Sie sind ein begeisterter Maler? Wann haben Sie mit dem Malen begonnen und wie sehr hat Ihnen das Malen im Umgang mit der Amputation geholfen?

Während der Reha in der Fachklinik Osterhofen nahm ich dann das Angebot der Gestaltungs- und Maltherapie wahr. Frau Wollinger führte mich in die Technik der Acrylmalerei ein. Sie zeigte mir Tipps und Kniffe mit dieser neuen Gestaltungsmöglichkeit, so dass ich schnell mit diesem neuen Medium vertraut wurde. Ich beschloss, mir auch zu Hause ein kleines Atelier einzurichten und diese Technik weiter zu verfolgen.

Erzählen Sie bitte unseren Lesern etwas über Ihre Rehazeit!

Nach meinem Krankenhausaufenthalt wurde ich in die Fachklinik für Amputationsmedizin in Osterhofen verlegt – zur Anschluss Heilbehandlung und Reha. Hier kam es zur krankengymnastischen Mobilisierung, sowie medizinischen Trainingstherapie und allgemeiner Konditionierung. Ich wurde mit einer ersten Oberschenkelprothese mit Liner-System und der ersten Oberarmprothese versorgt. Mit der Oberschenkelprothese war es möglich ohne zusätzliches Gehhilfsmittel eine Gesamtstrecke von 600 m zu bewältigen. Mit einem Treppengeländer konnte ich wieder Treppen alternierend herunter gehen. In einem videogestützten Gehzentrum bekam ich eine Schulung im Umgang mit der Prothese, sowie eine Ganganalyse. Man wurde psychosozial betreut und auf das Alltags- bzw. Berufsleben theoretisch vorbereitet. Außerdem hatte man die Möglichkeit, diese Gestaltungstherapie zu absolvieren, die ich begeistert annahm.

Waren sie mit Ihrer Rehabilitation zufrieden?

Ich habe zwar keine Vergleichsmöglichkeiten, aber ich bin der festen Überzeugung, dass einem nach einer Amputation nichts Besseres passieren kann als die Fachklinik in Osterhofen. Ob dies im Bereich der medizinischen, krankengymnastischen oder “künstlerischen” Betreuung ist, so fühlt man sich in Osterhofen bestens aufgehoben. Auch der dortigen Werkstatt muss ich ein großes Lob aussprechen, weil die besten krankentherapeutischen Übungen umsonst sind, wenn man Prothesen hat, die nicht passen.

Wie hat sich Ihr Leben durch die Amputation verändert?

Sicher wäre es hier zeitsparender auf die Frage zu antworten: Was hat sich in meinem Leben nicht verändert? Selbst bei den einfachsten alltäglichen Tätigkeiten wie dem Lesen eines Buches, beim Aufschneiden einer Semmel oder dem Bewältigen einer Treppe ohne Geländer sieht man sich mit seinen Amputationen konfrontiert und eingeschränkt. Die früher ausgeprägten sportlichen Betätigungen beschränken sich jetzt auf eine Viertelstunde Kräftigungsübungen nach dem Aufstehen. Aber wenn man so will, ist das einfache Gehen für mich auch schon ein Sport.

Wie geht es Ihnen heute? Wie können Sie mit der Amputation umgehen?

Ich würde sogar so weit gehen, dass ich behaupten möchte, dass durch meine neue Saugschaft-Versorgung für mich ein neues Leben begonnen hat. Ich will gar nicht daran denken, wie es mir bei Temperaturen im Sommer von bis zu 40 Grad mit meinem Linersystem ergangen wäre. Es ist nicht so, dass man durch das neue System weniger schwitzen würde, jedoch kann man durch das Ventil das Schwitzwasser – auch ohne “Toiletten Besuch” ablassen..

Welche Möglichkeiten gibt es für Sie, Kontakt zu anderen Beinamputierten herzustellen? Denken Sie, dass der Kontakt unter Betroffenen wichtig ist?

Ich halte Kontakt zu Beinamputierten aus meiner Rehazeit. Dies geschieht jedoch meist telefonisch, da die Entfernungen ziemlich groß sind. Im direkten Umfeld von mir habe ich keine Personen, die amputiert sind. Ich finde schon, dass der Kontakt zu Betroffenen wichtig ist, da nur Sie deine Probleme kennen und nachvollziehen können.

Haben Sie ein Motto, das Sie anderen Beinamputierten mit auf den Weg geben können?

„Das Leben bietet viele Möglichkeiten und wenn man diese nützt wird auch die Sehnsucht nach den anderen geringer.“

Interessenten, die mehr über meine Kunstwerke erfahren möchten, können sich via E-Mail direkt an mich wenden: [email protected]. Ich freue mich über Feedback!

Leave A Reply