Abdul Nagibulla – Dolmetscher im Krisengebiet

Er schöpfte neue Hoffnung durch eine moderne Prothesenversorgung

Abdul Rahim Nagibulla verlor sein Bein durch eine Mine.

Als ein Bundeswehrarzt in Afghanistan auf seine schlechte Prothesenversorgung aufmerksam wird, verändert sich das Leben von Abdul Rahim Nagibulla. Er kommt für eine Woche nach Deutschland und erhält eine professionelle Beinprothese mit modernen Passteilen durch die orthopädische Traditionswerkstatt Seeger in Berlin. Das Ergebnis: Er kann endlich wieder richtig laufen.

Kindheit in Afghanistan

Abdul Rahim Nagibulla kennt es nicht anders. Sein Heimatland ist geprägt von Konflikten, seitdem er 1987 in Kabul geboren wurde. Der junge Mann wirkt deutlich älter, als er ist. Vom Leben geprägt, denn Abdul Rahim Nagibulla hat schon vieles durchgemacht. In seiner Kindheit in Afghanistan erkrankt er an Kinderlähmung, danach fällt ihm das Laufen schwer. Mit etwa acht Jahren ein weiterer Schicksalsschlag: Er tritt beim Spielen in eine Mine und verliert sein rechtes Bein.

Danach nimmt sich eine Hilfsorganisation seiner an und verändert damit sein ganzes Leben. Weil die medizinische Versorgung in Afghanistan nicht ausreichend ist, wird der Junge nach Deutschland geschickt. „Und das war mein Glück!“, sagt Abdul Rahim Nagibulla, „Denn so bekam ich meine erste richtige Prothese. Durch die Ärzte und Schwestern, und später auch durch meine zeitweise Pflegefamilie habe ich sehr gut Deutsch sprechen gelernt!“

Deutsch sprechen zu können ist für Abdul Rahim Nagibulla genauso wichtig wie eine prothetische Versorgung. Denn heute lebt er wieder in Afghanistan und kann mit seinen Sprachfähigkeiten als Dolmetscher in einem Bundeswehrkrankenhaus arbeiten. „Das ist eine Chance, die ich sonst niemals bekommen hätte!“ erklärt er, denn in seinem Heimatland haben es Menschen mit Behinderungen schwer: Sie werden häufig von der Gesellschaft ausgeschlossen und finden keine Arbeit. Mit seiner Familie hat Abdul Rahim Nagibulla keinen Kontakt mehr. „Es ist sehr schwierig. Meine Landsleute sind misstrauisch und wollen oft gar nicht mit mir arbeiten. Das ist aber nicht nur wegen meiner Behinderung, sondern weil ich für den Westen arbeite.“

Prothesenversorgung: Seeger hilft

Diese negative Einstellung versteht Abdul Rahim Nagibulla nicht, denn er hat ausschließlich gute Erfahrungen gemacht. Als Kind erhielt er in Deutschland seine erste prothetische Versorgung. Die deutsche Bundeswehr hat ihm mit der Stelle als Dolmetscher eine echte Chance angeboten und sich auch jetzt, mit der Neuversorgung im Sanitätshaus Seeger, stark für ihn engagiert. „Deutschland ist sehr aufgeschlossen und freundlich. Ich bin froh, dass ich mit meiner Arbeit als Übersetzer auch etwas zurückgeben kann für die viele Hilfe, die ich bekommen habe.“ – Nagibulla versteht sich auch im übertragenden Sinne als Botschafter.

Nach seinem Aufenthalt in Berlin stellt sich Abdul Rahim Nagibulla vor, eines Tages eine Ausbildung als Orthopädietechniker zu absolvieren. Er möchte damit auch anderen Beinamputierten helfen, so wie ihm geholfen wurde. „Das ist mein Traum.“

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