Freiheit für die besonderen Momente im Leben

Prothesenträger berichten von Ihren besonderen Erlebnissen

Ein ganz besonderer Moment – jeder Mensch denkt dabei an etwas anderes. Für die einen ist es ein lustiger Familienausflug, für die anderen vielleicht die Hilfsbereitschaft anderer Menschen oder der Moment, in dem man nach einer Reise von Freunden am Bahnhof empfangen wird. Oft sind es dabei die kleinen und sehr persönlichen Dinge, die den Moment unvergesslich machen.

Als einen kleinen Einblick in das Leben anderer Prothesenträger präsentieren wir Ihnen hier die schönsten, lustigsten und berührendsten Momente.

Freiheit für die besonderen Momente im Leben

Christa Mund

Mein besonderer Moment: Hilfsbereitschaft von und für Andere

Seit 36 Jahren bin ich oberschenkelamputiert. Mein Unfall ist noch immer präsent, als wäre es gestern gewesen. Als ich mit 18 Jahren in der Klinik Münster meine erste Prothese erhielt, fühlte ich mich als Gleiche unter Gleichen und voll integriert. Wir haben uns gegenseitig geholfen. Noch immer denke ich an den jungen Mann, der durch einen Arbeitsunfall Arme und Beine verlor. Ihm hielt ich schon mal das Telefon ans Ohr, so dass er telefonieren konnte. In der Klinik saßen wir alle in einem Boot und es war normal, nicht komplett zu sein. Jeder fand etwas, was ihm Freude und Zuversicht gab. Bei mir war es das kleine Schwimmbad. Im Wasser bin ich ganz ich selbst und kann mich ohne Prothese fortbewegen und mich treiben lassen.

Je älter ich werde, umso beschwerlicher wird allerdings auch das Gehen mit der Oberschenkelprothese. Doch bei allen Mühen fühle ich immer eine tiefe Dankbarkeit, dass ich “überlebt” habe und meinen unverwechselbaren Humor behalten konnte. Wenn Glück Zufriedenheit bedeutet, ja, dann bin ich glücklich. Ich danke allen hilfsbereiten Menschen, die mir zur Seite stehen. Solche Menschen sind überall auf der Welt und hier will ich sein.

Freiheit für die besonderen Momente im Leben

Carmen Mans

Mein besonderer Moment: Free falling and thank you, mom

Mir geht es wie den meisten Kindern, was die Mama macht, ist selbstverständlich. Das meine Mutter auch eigene Bedürfnisse hatte, kam mir nie in den Sinn. Mein Bruder und ich, wir wurden älter. Ich bekam mein eigenes Kind und habe mich immer noch nicht um meine Mutter gesorgt. Sie stattdessen kümmerte sich um unseren Vater und pflegte ihn bis zum Schluss. Mein Bruder und ich sind Adoptivkinder, doch unsere Eltern waren immer die „richtigen“ Eltern. Als Vater gestorben war, lösten wir unsere Wohnungen auf und zogen zusammen. Da Mama nicht mehr an der Hüfte operiert werden konnte, saß sie im Rollstuhl. Wir hatten jetzt viel Zeit für uns und wir nutzten sie und lernten uns neu kennen. Mama liebte alles, was hoch und schnell war. Der Freefalltower im Movie Park hatte es ihr angetan. Gefahren war sie ihn noch nie. Die Leute im Park haben uns geholfen, eine Überraschung zu organisieren. Sie brachten uns vor der offiziellen Eröffnung mit dem Rollstuhl durch den Hintereingang zum Freefalltower. Meine Mutter war aufgeregt und glücklich. So hatte ich sie noch nie gesehen. Schon vor dem Start konnte sie die Freudentränen nicht zurückhalten. Ganz oben, Arme hoch und jubeln und unten angekommen, das schönste Strahlen der Welt. Ich wünschte, sie wäre noch bei uns.

Freiheit für die besonderen Momente im Leben

Alexander Ziesch

Mein besonderer Moment: Der Pott is mir

Mitten in meiner Ausbildung zum CNC-Zerspanungsmechaniker verlor ich durch einen unverschuldeten Verkehrsunfall meinen linken Unterschenkel. Damals war ich 18 Jahre alt. Meine Familie und Freunde haben mir geholfen, mein neues Leben in Angriff zu nehmen. Das klingt sportlich, ist es auch. Denn der Sport gehört immer zu mir. Ich liebe die stolperstein Ski-Wochenenden im Kaunertal. Das Skigebiet bei Kaiserwetter, die ganze Organisation mit super Skilehrern und die tolle Erfahrung, wieder Skifahren zu können, waren einzigartige Augenblicke. Ich spiele auch wieder Volleyball und natürlich auch Fußball. Das alljährliche Pfingstturnier steht fest im Kalender und ich für meine Elf im Tor. 2014 erkämpfte sich unser Team im Elfmeterschießen den 3. Platz. Als dann durch alle Mannschaften der beste Torwart gewählt wurde, erhielt ich die meisten Stimmen und den Pokal des besten Torwarts. Das war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich habe noch viele Wünsche und Träume für mein Leben. Ich packe es an.

Petra Zohren

Petra Zohren

Mein besonderer Moment: Mein Flug mit einem Heißluftballon

Als ich vor 18 Jahren aufgrund eines Osteosarkoms mein linkes Bein bis oberhalb des Knies verlor, musste ich lernen, mein „neues“ Leben zu akzeptieren. Durch eine gute prothetische Versorgung, einen ausgezeichneten Techniker und den Zuspruch meiner Familie und Freunde bekam ich immer mehr Mut, mich der Situation zu stellen. Ich bin eine fröhliche Frau, die gerne reist und aktiv am Leben teilnimmt. Ich habe bereits Kanada und zahlreiche andere Länder besucht. Auch die Musik gehört zu meinen Leidenschaften, denn ich singe in einem Pop-Chor. Schon länger hegte ich den Wunsch, einmal mit einem Heißluftballon zu fliegen und die Landschaft sowie die Ruhe von oben zu genießen. Als ich die Chance bekam, bei einem Fotoshooting mit Heißluftballon mitzuwirken, war ich total begeistert. Es hat mir viel Freude bereitet, die Hürde des Einstiegs in den Ballon zu meistern. Die Landung verlief reibungslos, genau wie der Aufstieg. Wieder habe ich einen Schritt nach vorne gemacht, mich etwas getraut und Neues ausprobiert. Belohnt wurde ich dafür mit einer wunderbaren Aussicht und einer Ruhe, die ich so noch nie erlebt habe.

Freiheit für die besonderen Momente

Urban Axtmann

Mein besonderer Moment: Die ersten Schritte mit der Prothese

Für mich war es ein ganz besonderer Moment, als ich das erste Mal meine Prothese anlegte und sofort loslaufen konnte. Schon nach knapp fünf Stunden ließen die Druckschmerzen nach. Ebenso schön war der 50. Geburtstag eines Freundes: Nach langer Zeit wagte ich mich wieder auf die Tanzfläche – und das Tanzen funktionierte super, ohne vorheriges Extra-Training!

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