Snowboard fahren mit Prothese

Stefan Lösler – “Sport macht einfach glücklich”

Vom stolperstein Ski-Event zu den Winter-Paralympics – und zurück

Zweimal – 2012 und 2013 – hat Stefan Lösler am Ski-Event für Beinamputierte, dem stolperstein Skiwochenende, teilgenommen. 2014 konnte er zeitlich nicht. Da kamen dem heute 30-Jährigen die Winter-Paralympics in Sotschi dazwischen. Dieses Jahr war er dann wieder im Kaunertal dabei und gab dort sein Debüt als Snowboardlehrer.

Sie betreiben Sport ja sowohl in Sommerdisziplinen (wie dem Triathlon mit den Distanzen Radfahren, Schwimmen und Laufen), als auch Winterdisziplinen (Snowboardcross) professionell. Woher kommt diese Faszination zum Sport?

Seit meiner Jugend bin ich sportbegeistert. Kickboxen, Triathlon, Radmarathon und Snowboarden gehörten vor der Amputation zu meinen Hobbies. Als ich mein linkes Bein verlor, war für mich klar, dass der Sport in meinem Leben auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird. Ich hatte mir vorgenommen, all die Sportarten, die ich früher gemacht habe, weiterhin zu betreiben.

Wie lange hat es nach Ihrer Amputation im Juni 2010 gedauert, bis Sie wieder Snowboard gefahren sind?

Es hat circa zwei Jahre, also bis 2012 gedauert, bis ich mich wieder auf das Board getraut habe. Ski-Camps wie das stolperstein Skiwochenende bieten für den Wiedereinstieg in den Wintersport ideale Rahmenbedingungen.

Wie haben Sie diesen Moment empfunden, wieder Snowboarden zu können?

Noch heute habe ich ein sehr positives Gefühl, wenn ich an diesen Tag zurückdenke. Das erste Mal mit Prothese auf dem Snowboard war zwar anfangs etwas ungewohnt, aber den Berg gut herunterfahren zu können, hat mich überglücklich gemacht. Der Fahrspaß war sofort wieder da.

Was ist für Sie das Besondere an der Veranstaltung? Was gefällt Ihnen gut?

Die Atmosphäre ist hier einfach toll. Die Leute sind entspannt, die Organisation super. Man merkt vom ersten Moment, dass alle Teilnehmer das Bedürfnis haben, etwas Neues auszuprobieren und sich weiterzuentwickeln.

Sie sind beim diesjährigen stolperstein Skiwochenende als Snowboardlehrer dabei. Wie kam es dazu? Auf was haben Sie sich besonders gefreut?

Als ich von Manfred Auer, dem Leiter der Skilehrer, angesprochen wurde, ob ich nicht selbst als Lehrer mitmachen wolle, sagte ich sofort zu. Es freut mich und macht mich auch ein bisschen stolz, dass ich dieses Jahr als Trainer den Teilnehmern meine Erfahrungen weitergeben durfte.

Was haben Sie den Teilnehmern in Ihrem Kurs mitgegeben?

Neben zahlreichen Fahr-Tipps habe ich auch einige Tricks bei der Einstellung von Bindung und Prothese verraten. Die habe ich von meinem Orthopädietechniker. Es ist immer gut, einen aufgeschlossenen Orthopädietechniker an seiner Seite zu haben, der die individuellen Wünsche an die Prothese und die Passteile erfüllt.

Was raten Sie Menschen, die nach einer Amputation wieder Snowboard/Ski fahren oder ganz allgemein Sport betreiben möchten?

Der Austausch mit anderen hilft sehr. Ich habe von den Erfahrungen, die andere Amputierte gemacht haben, sehr profitieren können. Man ist ja selten der erste, der eine bestimmte Situation zu meistern hat.

Was haben Sie für Ihre sportliche Zukunft geplant?

Ich möchte so schnell wie möglich wieder Olympia-Luft schnuppern und plane, 2016 an den Sommer-Paralympics in Rio teilzunehmen. Dafür habe ich mir den Para-Triathlon über die Sprint-Distanz (750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und 5 Kilometer Laufen) ausgesucht.

Was motiviert Sie zu dieser dreifachen Herausforderung? Haben Sie eine besondere Philosophie?

Sport macht einfach glücklich!

Zur Person:

Stefan Lösler wurde am 3. Januar 1985 in Kirchheim unter Teck (Baden-Württemberg) geboren. Sport zählte schon immer zu seiner großen Leidenschaft, egal ob Triathlon, Kickboxen, Radmarathon oder Snowboarden. Im Juni 2010 wurde der diplomierte Toningenieur Opfer eines schweren Verkehrsunfalls, bei dem er sein linkes Bein verlor (Knieex). Sein erklärtes Ziel nach der Amputation: So schnell wie möglich wieder Sport treiben. Mit viel Optimismus und Ehrgeiz schaffte er als einziger Deutscher die Teilnahme an der paralympischen Premiere 2014 in Sotschi im Snowboardcross.

Categories: Sport mit Prothese

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